Lesung mit Burkhard Hose:

Für ein politisch engagiertes Christentum – „Seid laut“

„Sie sind mir zu leise!“ meinte eine Besucherin im Anschluss an die Lesung des katholischen Hochschulpfarrers Burkhard Hose im Veitshöchheimer Sitzungssaal. Dieser war am 5. Oktober auf Einladung von Bündnis 90/ die Grünen Veitshöchheim gekommen und mit ihm gut 50 Zuhörerinnen und Zuhörer.

Als Gesprächspartner waren dabei: Karen Heußner, Kulturreferentin in Veitshöchheim, Kreisrätin und stellvertretende Landrätin sowie Mitglied der evangelisch-lutherischen Landessynode in Bayern, Maria Görmann, Vorsitzende der Grünen Jugend, Landtagskandidatin der Grünen. Moderator Günter Thein, Ortsverbandsvorsitzender Veitshöchheims war es ein großes Anliegen das Buch mit Burkard Hose vorzustellen.

Anhand von ausgewählten Textstellen erklärte der Würzburger Hochschulpfarrer seine Motivation, dieses Buch zu schreiben und für ein politisch engagiertes Christentum einzutreten. Sie handeln von Begegnungen mit Zeitzeugen der Shoa, von den positiven Erfahrungen mit jungen engagierten Studierenden, von der Auseinandersetzung mit prophetischen Texten aus dem Alten Testament und nicht zuletzt von Begegnungen mit Geflüchteten.


Foto: Grüne Veitshöchheim, von links Maria Gößmann, Günter Thein, Karen Heußner, Burkard Hose, Christina Feiler

Wenn Burkhard Hose liest, ist es still im Raum, ebenso, wenn er zwischendurch von seinen Erlebnissen erzählt, die ihm gezeigt haben, dass man auf unterschiedliche Weise laut sein kann, ohne zu brüllen. Beeindruckend, wie er gegen Ende seines Vortrags von einer kurzen Begegnung mit einer Nonne erzählt, die ihm sagte: „Wir finden gut, was Sie machen, wir beten für Sie“.

Nach der Lesung fragte Günter Thein die anderen Podiumsgäste nach ihrem Bezug zu Politik und Christentum. Karen Heußner meinte dazu, Kirche sei schon immer politisch gewesen. Daher habe kirchliches Engagement sie genauso zu politischer Arbeit motiviert wie umgekehrt. Auch sie hielt ein Plädoyer für aktive Mitwirkung anstelle von Mutlosigkeit: „Viele haben momentan Angst. Sich zu engagieren hilft aber aus der Mutlosigkeit heraus zu kommen.“

Maria Gößmann erzählte, dass sie zwar mit christlichen Werten groß geworden sei, die ihr auch jetzt viel bedeuten, die Kirche momentan aber keine Rolle in ihrem Leben spiele. Besonders prägend sei für sie gewesen, als ihre Großmutter, die selbst als Kind Fluchterfahrung hatte, sie auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise motivierte sich zu engagieren und wie viel positive Erfahrungen sie damit gesammelt habe.

Doch zurück zur Frage vom Anfang: Ist der Autor jetzt zu leise, wie eine Dame aus dem Publikum anmerkte, die sich eine klarere Aufforderung gewünscht hatte? Burkard Hose zeigte sich überrascht über diese Aussage, und meinte, dass er sie vielleicht seinem Bischof weitergeben sollte.

Stattdessen fragte er die Zuhörer im Raum. Nach lebhafter Diskussion ergaben sich klare gemeinsame Positionen: Jeder kann etwas bewirken, wenn in Reden oder Diskussionen die Würde des Menschen durch sprachliche Verrohung verletzt wird. Jeder kann etwas tun, damit in unserer Gesellschaft sozialen Ungerechtigkeiten begegnet wird. Jeder soll betroffen bleiben, wenn wieder Menschen im Mittelmeer ertrinken. Jeder kann und soll sich politisch engagieren, jung oder alt, laut oder leise!

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